Aus der Perspektive der Türkei (2017-24)

Die Katar-Krise.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-24)

           Einige arabischen Länder, darunter Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten haben mit verschiedenen Vorwürfen die diplomatischen Beziehungen mit Katar abgebrochen und somit zu einer der größten diplomatischen Krise im Golfgebiet geführt. Der völlige Abbruch der diplomatischen Beziehungen erfolgte in einer Zeit, in der der Druck der US-Administration unter Präsident Trump zur „Überprüfung der Beziehungen mit Katar“ erhöht wurde. Saudi-Arabien und die anderen Länder werfen Katar Terrorunterstützung vor. Aber diese Vorwürfe können von diesen Ländern nicht eindeutig bewiesen werden. 

          Katar ist ein kleiner, aber politisch und wirtschaftlich sehr einflussreicher   Staat im Persischen Golf. In Katar leben insgesamt drei Millionen Menschen, davon sind etwa 330.000 katarische Staatsbürger. Katar besitzt die drittgrößten Erdgasreserven der Welt und ist der Standort wichtiger Universitäten, Nichtregierungsorganisationen sowie des internationalen Medienriesens Al Jazeera. In Katar befinden sich ausländische Stützpunkte, auf denen auch ausländische Soldaten stationiert sind. Katar unterhält sehr gute Beziehungen zur Türkei.  Die Schritte von Katar für eine Energiekooperation mit der Türkei in der Region, die militärischen Beziehungen und auch der Militärstützpunkt der Türkei in Katar sind für mehrere Golfstaaten ein Grund zur Unzufriedenheit.  

          Katar, das das reichste Land des Golfgebiets ist, hat angesichts der Unterstützung für die Demokratisierungsbewegungen in der Region in der arabischen Öffentlichkeit ein sehr positives Image. Durch die sehr erfolgreich umgesetzte Softpower ist Katar sowohl regional als auch international ein einflussreiches Land. Vor allem mit dem Medienorgan Al Jazeera, das auf Arabisch und Englisch sendet, bildet Katar sowohl auf regionaler als auch globaler Ebene eine öffentliche Meinung. Mit ihrer im Gegensatz zu den übrigen Golfstaaten liberaleren Politik erweckt Katar Interesse. Der eigentliche Protest der Golfmonarchien gegen Katar ist die Unterstützung für die Massenopposition und Akteure, die sich für Veränderungen einsetzten. Aber ein noch viel wichtigerer Grund, weshalb Katar im Fokus von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und den USA steht, sind die politischen Vorzüge der Doha-Verwaltung und deren außenpolitischen Effekte. Es ist bekannt, dass die Türkei und Katar die gemäßigte Opposition in Syrien unterstützen. Es waren auch die Türkei und Katar, die die gemäßigte syrische Opposition überzeugten, bei den Genfer-Gesprächen und den Astana-Verhandlungen an den Verhandlungstisch zu kommen.

           Die diplomatischen Sanktionen gegen Katar, das Mitglied in der Organisation Erdölexportierender Staaten Opec ist, führten zu einem drastischen Anstieg des Ölpreises. Der Preis für ein Barrel Erdöl der Sorte Brent stieg um etwa zwei Prozent und erreichte 50 Dollar. Sollte sich die Krise in der Region noch vertiefen, könnte Katar aus der Opec austreten. Dieses Szenario wird die Erdölpreise noch weiter in die Höhe treiben. Wir können nur hoffen, dass durch die Vermittlung der regionalen Akteure wie die Türkei, die Krise im Golfgebiet in kurzer Zeit beendet und kein neuer Golfkrieg erlebt wird. Aber ein Krieg ist, wenn auch  nur sehr gering, eine Wahrscheinlichkeit. Denn wenn wir uns die von Saudi-Arabien darlegte Führungsrolle in der Jemen-Krise anschauen, dann können wir sehen, dass ein Krieg eine Wahrscheinlichkeit ist.

            Der traditionellen Außenpolitik entsprechend wird die Türkei sich von konfessionellen Konflikten in der Region, wie zwischen den Schiiten und Sunniten, fern halten. Aber gegen eine regionale Isolierung des wichtigen Verbündeten Katar wird die Türkei ihre Freundschaft darlegen. Die multidimensionale Diplomatie des Staatspräsidenten der Türkischen Republik und derzeitigen Ratspräsidenten  der Islamischen Kooperationsorganisation, Recep Tayyip Erdogan ist ein diesbezüglich positiver Einstand. Die unmittelbar nach Beginn der Katar-Krise eingeleiteten diplomatischen Vorstöße von Staatspräsident Erdogan haben erheblich dazu beigetragen, dass die Krise nicht noch weiter eskalierte. Auch die gleich nach Ausbruch der Krise von Katar mit gesundem Menschenverstand verfolgte Politik hat eine Verschärfung der Krise verhindert. Die Türkei sieht die Stabilität in der Golfregion als ihre eigene Stabilität. Die Zusammenarbeit mit allen Regionsländern im Kampf gegen DAESH, Radikalismus, Konfessionalismus und Islamophobie ist für die Türkei von großer Bedeutung. Natürlich kann es zwischen Ländern Probleme oder Meinungsverschiedenheiten geben. Aber der Dialog muss unter allen Bedingungen fortgesetzt werden. Das derzeitige Bild stimmt vor allem die Türkei traurig. Deshalb wird die Türkei alles in ihrer Macht stehende unternehmen, damit sich die Lage in der Golfregion wieder normalisiert.



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