Aus der Perspektive der Türkei (2017-41)

Regionale Mächte, die Türkei und der Iran.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-41)

Der Iran und die Türkei sind zwei regionale Mächte, die seit etwa 4. Jahrhunderten eine unveränderte gemeinsame Grenze haben. Neben der Botschaft in Teheran hat die Türkei auch in den iranischen Städten Täbris, Urumije und Meschhed Generalkonsulate. Der Iran hingegen verfügt über eine Botschaft in Ankara sowie Generalkonsulate in Istanbul, Erzurum und Trabzon. Die Türkei hat das Ziel, die bilateralen Beziehungen mit dem Iran auf der Grundlage der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, gegenseitigem Respekt und gutnachbarlichen Prinzipien auszubauen. Vor allem mit den jüngsten gegenseitigen Besuchen auf hoher Ebene haben sich beide Seiten darum bemüht, den politischen Dialog in allen Bereichen und bei regionalen Angelegenheiten weiter auszubauen.

          Eines der Resultate des vor einiger Zeit im Norden Iraks abgehaltenen Unabhängigkeitsreferendums war die Annäherung der beiden Länder. Diese Annäherung wird von einigen Kreisen als die Entstehung einer neuen Allianz im Nahen Osten bewertet. Aber derzeit ist es noch zu früh, um diese Annäherung als Allianz zu bezeichnen. Aber sollte dies zu einer Allianz zwischen der Türkei und dem Iran führen, dürfte es keine Überraschung werden.      

          Der kürzlich abgehaltene Iran-Besuch vom Staatspräsidenten der Türkischen Republik, Recep Tayyip Erdogan, hat im Nahen Osten die Aufmerksamkeit auf die türkisch-iranischen Beziehungen gelenkt. Im Vorfeld des Besuchs von Erdogan hatte Generalstabschef General Hulusi Akar in Teheran Kontakte geführt. Im August hingegen hatte der iranische Generalstabschef Muhammed Bakiri die Türkei besucht. Diese Besuche zeigen, dass in den bilateralen Beziehungen in der jüngsten Zeit die Sicherheitsdimension in den Vordergrund getreten ist.  

          Die Wahrscheinlichkeit nach einer Teilung des Iraks und Syriens haben Ankara und Teheran näher gebracht. Die überstimmende Einstellung zum  rechtswidrigen Referendum im Norden Iraks hat zu Kommentaren geführt, dass die Annäherung eine neue Dimension erhalten wird. Bei dem Iran-Besuch von Erdogan wurden zahlreiche wirtschaftliche Kooperationsabkommen in den Bereichen Tourismus, Bankwesen, Zoll und Erdgas unterzeichnet. Ferner traten das 30 Milliarden Dollar Handelsvolumen sowie die Verwendung der nationalen Währungen in den Vordergrund. Zudem wurde der Rahmen festgelegt, welche Politik gegen die Entscheidung für die Abhaltung eines Referendums in der irakisch-kurdischen Regionalverwaltung verfolgt und wie die Deeskalationszonen in Syrien verwaltet werden sollen. Dies zeigt, dass die beiden Länder in den Bereichen Verteidigung und Nachrichtendienst nach einer engen Kooperation suchen.

          Angesichts der Unterstützung der Maßnahmen der irakischen Zentralregierung gegen Erbil sind Ankara und Teheran entschlossen, Barsani von seinem Fehler abzubringen. Dies zeigen auch die Ansichten und Erklärungen von Erdogan bei seinen Gesprächen mit iranischen Zuständigen. Eine weitere wichtige Entscheidung bei den Gesprächen von Erdogan in Teheran war die Verschärfung der Sanktionen gegen die Barsani-Verwaltung. Was genau diese scharfen Sanktionen sind, ist bisher ungewiss. Vor allem die Türkei war diesbezüglich reserviert und wird voraussichtlich auch diese Haltung beibehalten.

          Durch die Unterstützung einiger westlicher Staaten als Mittel für ihre Nahost-Politik haben Terrororganisationen wie PKK/PYD im Irak und in Syrien verschiedene Errungenschaften erzielt. Diese Errungenschaften zwingen die Türkei und den Iran ihre Meinungsverschiedenheit im Zusammenhang mit den Entwicklungen in den besagten Ländern beiseitezulegen und im Sicherheitsbereich zu kooperieren. An diesem Punkt müssen die westlichen Verbündeten der Türkei, die die lebenswichtigen Interessen der Türkei in der Region ignorieren, endlich einsehen, dass sie Ankara keinen anderen Ausweg lassen, als mit Moskau und Teheran zusammenzuarbeiten. Die Entwicklungen sind für die Türkei von existentieller Bedeutung. Deshalb müssen die westlichen Verbündeten diese Tatsache einsehen und auch wie Verbündete handeln. Ansonsten wird kein Weg an einer Annäherung der Türkei mit dem Iran und Russland vorbei führen.  

            Die Türkei und der Iran sind sich der derzeitigen Bedrohungen in der Region bewusst. Deshalb wird die gegenseitige Annäherung auch anhalten. Die Sicherheitsbedenken der beiden Länder beschleunigen diese Annäherung. Der Machtkampf der beiden Länder in Syrien und im Irak hat dazu geführt, dass die Terrororganisation PKK, die die Landesintegrität beider Länder bedroht,  an Einfluss gewonnen hat. Vielleicht hat dies zu der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit geführt. Wird es nun möglich sein, dass der seit langer Zeit anhaltende türkisch-iranische Konkurrenzkampf beiseitegelegt wird und Ankara sowie Teheran eine enge Allianz bilden werden? Dies werden die künftigen Entwicklungen in der Region zeigen.      



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