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Globale Perspektive (2018-02)

Globale Perspektive (2018-02)

Globale Perspektive (2018-02)

Vielleicht hatte bis vor kurzem niemand von Arakan oder Rohingya-Muslimen gehört. Als nach dem 25. August 2017 sie sich vor dem Massaker in Myanmar flüchteten und Zuflucht in Bangladesch fanden, wurden uns sie und die Größe ihrer Tragödie klar.

Eine Bewertung von Kudret BÜLBÜL, dem Dekan des Fachbereiches für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität in Ankara.

Vielleicht sollten wir kurz erwähnen, wo Arakan geographisch liegt. Arakan ist einer von sieben Bundesstaaten von Myanmar. Myanmar ist ein Land, das von Thailand, Laos, China, Indien, Bangladesch und vom bengalischen Golf umgeben und von enormer strategischer Bedeutung ist. Es wird gesagt, dass in Arakan der Islam von den muslimischen Händlern, deren Schiff im bengalischen Golf unterging, verbreitet wurde.    Die Arakan-Muslime lebten wie die Moro-Muslime Jahrhunderte hindurch unter ihren eigenen Sultanaten. Mit der Expansionspolitik westlicher Kolonialmächte wurden sie im Jahre 1885 von den Briten belagert. 

Wie das Sprichwort der Indianer auch sagt, „Wenn in einem Fluss sich zwei Fische streiten, dann sollten sie wissen, dass dort vorher ein Brite war“ werden in Myanmar nach Erlangung der Unabhängigkeit im Jahre 1948 die Probleme grösser. Der im Jahre 1962 durch einen Militärputsch an die Macht gekommene General NE Win ändert den Namen des Landes von Burma in Myanmar um. In der Ära der Ein-Parteien-Republik wird jede Staatsgewalt angewandt, um die Muslime zu vertreiben. In diesem Zusammenhang sollte das auch als „Bewegung-969“ bekannte unmenschliche Massaker buddhistischer Mönche nicht vergessen werden.  Der nach mehreren Jahrzehnten angelangte Punkt ist, aus welchem Aspekt sie auch betrachten, ist Leid, Tränen, Verbannung und Blut. Um auf das Arakan-Problem aufmerksam zu machen, hatten wir auch mit Teilnahme des Vorsitzenden des Rates der Rohingya-Muslime in Europa und dem stellvertretenden Staatssekretär im Außenministerium, Botschafter, Ümit Yardım eine Podiumsdiskussion organisiert. Unser Gast aus den Niederlanden benutzte zwei Namen, und zwar La JO und Mohammed Hubeyb. Als wir nach dem Grund fragten, kam auch die Tatsache ans Licht. Nach seinen Angaben musste jeder, um nicht diskriminiert zu werden, neben seinen echten Namen auch einen Namen aus Myanmar zu benutzen. Wir kennen dieses Bild aus den 80’er Jahren, als  Bulgarien die Türken auch dazu drängte, gar ihre Grabsteine änderte. 

Natürlich ist es ein großes Leid. Doch wenn wir atmen, gibt es auch eine Hoffnung. Daher sollten wir auch über die Lösungen reden.

  1. Internationalen Druck auf Myanmar ausüben. Wenn in einem Ort die Rede nicht von Recht und Justiz, sondern von Druck und Despotismus ist, können diese nur durch Macht gestoppt werden. Daher sollte die internationale Gemeinschaft jeden Weg einschlagen, um Myanmar Druck auszuüben. Dieser Aufgabe können vielmehr Staaten und internationale Organisationen gerecht werden.
  2. Internationale Lösungsgruppe: Wie die Minsker Gruppe in der Ukraine, sollte für die Lösung dieses Problems eine internationale Gruppe gebildet werden. Wir wissen, dass China und Indien nicht ein Teil der Lösung, sondern des Problems sind. Trotzdem sollte nach Lösungen gesucht werden, in der auch sie ein Teil des Prozesses sind. Diese Gruppe sollte dafür verantwortlich sein, zu beobachten,  dass die Arakan-Muslime gesund in ihre Länder zurückkehren und nach der Rückkehr ihnen das Recht auf Leben gewährleistet wird.
  3. Den Despotismus, Druck und die Rechtsverletzungen in Arakan internationalisieren. Wie die Kurden in Syrien, haben sie immer noch keine offizielle Identität.
  4. Da sie keinen offiziellen Status besitzen, können ihre grundlegenden Bedürfnisse wie Bildung und Gesundheit nicht gedeckt werden. Alle NGOs und Freiwilligen-Organisationen können diese Verletzungen in ihren Ländern auf internationale Plattformen bringen. Es können gesetzliche Prozesse eingeleitet werden. Wenn auch die Prozesse gegen den Staat und die Armee nicht zu einem Ergebnis führen werden, können sie abschreckende Wirkungen haben.
  5. Bangladesch helfen. Das sich ohnehin in einer schwierigen Situation befindende Bangladesch sollte nicht auf sich allein gestellt werden, um mehreren hundert Tausend Menschen helfen zu können.
  6. Strategische Organisationen vorziehen. Wie auch beim Gräuel in Myanmar der Fall ist, wo es auch eine humanitäre Krise gibt, eilen die Organisationen der Türkei wie AFAD, Roter Halbmond, TIKA, IHH und andere NGOs zur Hilfe. Wenn auch sehr wertvoll und dringend, sollte man sich  nicht nur mit humanitären Hilfen begnügen.  Nicht nur strategische Lösungen schaffende Zentren, sondern auch private Think Tanks sind von Bedeutung.
  7. Eine von der Türkei geführte ständige internationale Krisengruppe bilden.
  8. Bildung eines globalen Bewusstseins. Das Problem in Arakan interessiert wie Jerusalem nicht nur die Muslime.
  9. Es ist sehr wichtig, bei solchen Themen ein internationales Bewusstsein zu schaffen.  Daher war der Besuch der First Lady, Emine Erdogan sehr bedeutend. Wo unsere Leser auf dieser Welt auch sein mögen, können sie für das globale Bewusstsein aktiv werden.

Manchmal ändert sich etwas, wodurch sich vieles ändert. Wie es der Dichter sagte: “Das Klima ändert sich und es entsteht das Mittelmeer.” Sei nicht tatenlos. Teile das Leid, damit die Tränen der Unterdrückten weggewischt werden können. Damit die Kinder in Arakan in die Zukunft nicht mit Angst, sondern Hoffnung blicken können.

 

                            



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