Aus der Perspektive der Türkei (2018-07)

Aus der Perspektive der Türkei.

Aus der Perspektive der Türkei (2018-07)

Mit Beginn der Operation Olivenzweig der türkischen Streitkräfte im Afrin-Gebiet am 20. Januar 2018 hat sich die Syrien-Gleichung erneut verändert. Die Türkei bereitete sich schon seit einem Jahr auf die Afrin-Operation vor. Mit einer professionellen und guten Strategie umzingelten die türkischen Streitkräfte Afrin. Der Beginn der Operation war keine Überraschung. Es gab Behauptungen, wonach Russland schon seit einem Jahr eine Afrin-Operation der Türkei verhindert. Einige Kreise waren gegenüber der türkisch-russischen Kooperation aus historischen oder sentimentalen Gründen distanziert und skeptisch. Aber die in letzter Zeit effektive militärische Zusammenarbeit, vor allem im Bereich des Nachrichtendienstes, führte zu einem Gedankenwandel. Wenn die tiefe Zusammenarbeit anhalten soll, dann wird sie nach Afrin auch in Manbidsch anhalten. Die Bemühungen der USA, den von Washington als Terrororganisation eingestuften syrischen Ableger der PKK, die PYD mit Verwendung der Bezeichnung „Demokratisch“ sowie der Definition „Syrisch Demokratischen Kräfte“ als legitime Seite zu präsentierten, sind gescheitert. Die PYD bedroht sowohl die Sicherheit der Türkei als auch die russischen Interessen und ist mittlerweile auch zu einer Gefahr für den Iran gemacht geworden. Die seit zwei Jahren anhaltenden Versuche der USA, über die PYD in Syrien eine Terrorarmee zu bilden, könnte künftig in Syrien auch zum Kampf gegen Russland ausgenutzt werden.

Es ist zu sehen, dass die USA wie in Syrien auch in Ländern wie im Irak, in den Golfstaaten, der Türkei und dem Iran mit Multistrategien arbeitet. Gegen die US-Strategie in Syrien hat der Nationale Dialogkongress im russischen Sotschi Alternativlösungen hervorgebracht. Aber nach dem Sotschi-Kongress haben die Operation Olivenzeig in Afrin sowie der Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges in Idlib den Kurs der türkisch-russischen Beziehungen noch wichtiger gemacht. Denn nach der erfolgreich fortgesetzten Afrin-Operation wird die Türkei nach Angaben von Staatspräsident Erdogan auch gegen Manbidsch und Resulayn-Tel-Abyad eine Operation einleiten. Auch die Erklärungen von US-Außenminister Rex Tillerson, wonach Washington zu diesbezüglichen Gesprächen bereit ist, können dem hinzugefügt werden. Aus den Türkei-Besuchen der US-Zuständigen können wir entnehmen, dass die USA in Manbidsch nach einer Lösung suchen. Denn eine mögliche Konfrontation zwischen den USA und der Türkei in Manbidsch könnte innerhalb der Nato zur Krise und sogar der Auflösung der Allianz führen. Zu Beginn der Afrin-Operation erklärte die Nato ihre Unterstützung für die Türkei im Kampf gegen den Terror. Die PYD wird in Afrin als Terrororganisation bewertet. Aber wenn dies für die PYD in Manbidsch und anderen Region nicht gültig sein sollte und die Sensibilitäten der Türkei nicht berücksichtigt werden sollten, dann wird sich die Krisenwahrscheinlichkeit in internationalen Institutionen erhöhen. Von russischer Seite betrachtet ist zu sehen, dass nach den erfolgreichen Astana- und Sotschi-Prozessen die Bemühungen zur Verschlechterung der türkisch-russischen Beziehungen intensiviert werden. Zunächst wurden Meldungen verbreitet, wonach die militärischen Hilfen für die PYD aus anderen Regionen nach Afrin über die russischen Kontrollpunkte ermöglicht wurden. Ziel war es, in der türkischen Öffentlichkeit eine Anti-Russland-Atmosphäre zu schaffen. Danach wurde in Meldungen die von der Türkei unterstützten Oppositionsgruppen von dem Abschuss des russischen Flugzeugs in Idlib verantwortlich gemacht, um somit die russische Öffentlichkeit zu manipulieren. Aber beide Länder waren sich bewusst, dass diese schwarze Propaganda das Ziel hatte, die engen bilateralen Beziehungen zu beeinträchtigen. Deshalb wurden die Beziehungen noch weiter intensiviert. Die Absicht über die Produktion eines gemeinsamen Helikopters gilt ebenfalls als Antwort auf diesen Plan.

Um den Astana- und Sotschi-Prozess zum Scheitern zu bringen, verwenden die USA die PYD als Waffe. Es war nicht Zufall, dass die von den USA kontrollierte syrische Verhandlungsdelegation nicht am Sotschi-Kongress teilgenommen hat. Als Begründung wurde angegeben, dass sie jede Lösung mit Assad ablehnen. Es ist zu sehen, dass die USA bestimmte Gruppen unterstützen und fördern, die gegen eine Lösung mit Assad sind, weil vor allem der Iran gegen eine Lösung ohne Assad ist. Auch Assad nutzt diese Position der USA als Waffen aus, um an der Macht zu bleiben. Zur Erinnerung; es war der Plan des Assad-Regimes, dass Ali Kayali unter dem falschen Namen Mihrac Üral am Sotschi-Kongress teilgenommen hat. Sowohl die USA als auch das Assad-Regime versuchen gegenseitig ihre Existenz unter Garantie zu bringen. Ein Syrien ohne Assad wird die US-Präsenz in Syrien in Frage stellen und ein Syrien ohne die USA wird das Bedürfnis für Assad in Syrien aufheben. Für die USA gehört der Sturz von Assad nicht zur Priorität. Ganz im Gegenteil garantiert der Machterhalt von Assad die US-Präsenz in Syrien.

Trotz aller Versuche der USA vollendete Tatsachen in Syrien herbeizuführen, hat der Nationale Dialogkongress in Sotschi die Gelegenheit geboten, im Genfer-Prozess eine politische Friedensstrategie zu bilden. Aber sollte diese Gelegenheit nicht bewertet werden, ist ein Abschluss des Friedensprozesses in Genf kaum möglich. Dann könnte ein neuer Prozess, mit russisch-türkischem Mittelpunkt und iranischer Unterstützung eingeleitet werden. Bei dem für März in Istanbul geplanten Gipfel der drei Staatsoberhäupter werden die türkischen Pläne nach dem politischen Frieden in Syrien und der Afrin-Operation zur Debatte stehen. Es ist anzunehmen, dass die beim Sotschi-Kongress auf eine bestimmte Grundlage gebrachten Themen  bei den Gesprächen auf dem Istanbul-Gipfel gelöst werden.



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