Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-07)

Die Auswirkungen des Vatikan-Besuchs von Staatspräsident Erdoğan.

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-07)

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat vor einigen Tagen als Gast von Papst Franziskus dem Vatikan einen offiziellen Besuch abgestattet. In der heutigen Folge unserer Sendereihe wollen wir den Vatikan-Besuch von Staatspräsident Erdoğan und die Reflektionen auf die türkische Außenpolitik erörtern.

Ein Programm verfasst von Dr. Cemil Doğaç İpek, Lehrkraft an der Atatürk Universität.

Der erste offizielle Kontakt der Türkei mit dem Vatikan und der katholischen Kirche fand während der Herrschaftszeit von Sultan Mehmet dem Eroberer statt. Dieser Besuch ermöglichte dem Papsttum die Eröffnung einer ständigen Vertretung in Istanbul.

Nach dem Vatikan -Besuch des damaligen Staatspräsidenten Celal Bayar und dem Gespräch mit Papst Jean dem 23. wurden am 11. April diplomatische Beziehungen aufgenommen. Danach wurden gegenseitig Botschaften eröffnet. Die türkische Botschaft im Vatikan wurde in 1962 eröffnet. Der erste Besuch Papst Besuch in die Türkei wurde in 1967 von Papst Paul VI. verwirklicht. Die Türkei wurde in 1979 von Papst Jean Paul II., in 2006 von Papst Benedikt XVI. und zuletzt im November 2014 von Papst Franziskus besucht.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan reiste vor kurzer Zeit auf Einladung von Papst Franziskus nach Rom. Nach seinen Kontakten im Vatikan traf Erdoğan mit dem italienischen Staatspräsidenten Mattarella und Regierungschef Gentiloni sowie Geschäftsmännern zusammen. Auf der Tagesordnung standen die türkisch-italienische Beziehungen.

Bei dem Gespräch mit Papst Franziskus wurden die Beziehungen zwischen der Türkei und dem Vatikan, die jüngsten Entwicklungen in der Jerusalem-Angelegenheit, regionale Themen, die Menschheitstragödie in Syrien, Terror, Fremdenfeindlichkeit, die Bekämpfung von Islamophobie und andere Themen erörtert. Wie das Staatspräsidium bekannt gab, wurden die möglichen Folgen der Jerusalem-Entscheidung der USA und die Fortsetzung von Botschaften erörtert, damit eine mögliche Umsetzung des Beschlusses vermieden wird.

Erdoğan und der Papst haben unterstrichen, dass der Status von Jerusalem im Rahmen von UN-Beschlüssen und des internationalen Rechts gewahrt werden müsse. Der Vatikan Besuch von Staatspräsident Erdoğan hat eine symbolische Bedeutung, weil es der erste Besuch aus der Türkei auf Staatspräsidenten-Ebene nach 59 Jahren war.  Zudem konnten Staatspräsident Erdoğan als Ratspräsident und Papst Franziskus die Sensibilitäten im Thema Jerusalem erneut auf die Tagesordnung tragen. 

US-Präsident Donald Trump hatte am 6. Dezember 2017 beschlossen, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Erdoğan stellte sich gegen diesen Beschluss und führte mit mehreren Staats- und Regierungschefs und Papst Franziskus Gespräche. Papst Franziskus hatte gesagt, das Jerusalem für alle drei Religionen heilig ist und der mit UN-Beschlüssen festgelegte Status von Jerusalem respektiert werden müsse. Diese gerechtfertigte gemeinsame Reaktion führte dazu, dass die USA bei einer Abstimmung in der UN-Vollversammlung vereinsamt wurden.

Staatspräsident Erdoğan hat mit seinen scharfen Reaktionen gegen die USA, Europa und der christlichen Welt seine Beunruhigung im Jerusalem Thema zum Ausdruck gebracht.

Papst Franziskus legt seit seinem Amtsantritt mit seiner offenen Kommunikation, aufrichtigen und offenen Einstellung ein positives Bild dar. Seine Einstellung wurde in der islamischen Welt begrüßt und brachte Muslime und Katholiken näher zusammen. Darüber sollte man sich eigentlich nicht wundern. Denn Jerusalem ist auch für Katholiken heilig. Der Vatikan Besuch von Erdoğan ist aus Sicht der Annäherungsbemühungen zwischen der Türkei und der EU sowie aus Sicht der Terror-Tagesordnung von Bedeutung. Papst Franziskus hatte im März 2017 bei einem Treffen mit EU Staats- und Regierungschefs erklärt, dass die EU sich hinterfragen und für die 60 jährigen Krankheiten neue Behandlungsmethoden finden müsse.

In einer Zeit, in der sich die transatlantischen Beziehungen verschlechtern, ist Europa bei den Themen Sicherheit, Stabilität und Flüchtlinge auf eine enge Zusammenarbeit mit der Türkei angewiesen. Die EU, die es sich schwer bei der Lösung von inneren Problemen macht, ist nicht direkt in die Krisen in Syrien und im Irak involviert.

Europa, das direkt von den Krisen in Nahost beeinflusst wird, kann auf einer gemeinsamen Plattform mit der Türkei eine Rolle bei der Lösung von Problemen spielen. Eine Unterstützung zum Kampf der Türkei gegen die Terrororganisation PKK-YPG kann eine Annäherung der Türkei und EU erleichtern. Die bei dem Treffen von Staatspräsident Erdoğan und dem Papst unterstrichene Jerusalem-Solidarität kann Europa daran hindern, sich zu isolieren. Ferner kann es ein symbolischer Schritt, eine Belebung der Beziehungen mit der Türkei sein. Das bei dem Treffen in die Hand genommene Thema wie die Entschlossenheit zur gemeinsamen Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit und Islamphobie war ein weiterer positiver Schritt.

Letzten Endes stellt dieser Besuch den Wunsch von Staatspräsident Erdoğan nach Frieden, Sicherheit, Freundschaft und gemeinsame Schritte in der Vordergrund.



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