Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-10)

Der Afrika-Kontakte von Erdoğan und die Afrika-Öffnung der Türkei.

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-10)

Eine Bewertung von Dr. Cemil Doğaç Ipek, Lehrkraft an der Atatürk Universität

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat im Rahmen der Afrika-Öffnung, Kontakte in einigen westafrikanischen Staaten aufgenommen. Heute wollen wir die Auswirkungen dieser offiziellen Kontakte auf die türkische Außenpolitik in die Hand nehmen. 

Die erste Station von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan in Westafrika war Algerien. Diesen Folgten Kontakte in Mauretanien, Senegal und Mali. Damit besuchte Staatspräsident Erdoğan seit 2055 auf dem afrikanischen Kontinent insgesamt 32 Länder. Die Zahl der türkischen Botschaften in afrikanischen Ländern wurde von 14 auf 41 erhöht. Das hunderte Millionen betragende Handelsvolumen wurde auf hunderte Milliarden Dollar ausgebaut, was ein Resultat dieser Kontakte zu bewerten ist.  Die Gespräche von Erdoğan und der türkischen Delegation verliefen konstruktiv. Ferner wurde Meinungsaustausch über globale Angelegenheiten geführt. Bei den Tagungen wurden die Übereinstimmung über den internationalen Kampf gegen den Terror sowie die Jerusalem-Angelegenheit erneut bestätigt. Es wurden Schritte über Handel und Investitionsmöglichkeiten gesetzt.

Ein weiterer wichtiger Punkt war der Kampf gegen die Gülenistische Terrorvereinigung FETÖ. Staatspräsident Erdoğan unterstrich gegenüber seinen afrikanischen Amtskollegen die Bedeutung ihrer starken Zusammenarbeit im Kampf gegen FETÖ. Zwischen Algerien und der Türkei sind historische, tiefe, freundschaftliche und brüderliche Beziehungen vorhanden. Diese Beziehungen wurden nach dem Algerien-Besuch von Erdoğan in 2006 ausgebaut. Die gegenseitigen hochrangigen Visiten wurden intensiviert, bei ökonomischen und wirtschaftlichen Themen wichtige Fortschritte erzielt. Das während dieses Besuchs unterzeichnete Freundschafts- und Kooperationsabkommen stellt einen Wendepunkt dar. In jüngster Zeit ist bei den hochrangigen Besuchen zwischen beiden Ländern ein Anstieg zu beobachten.

Die auf historische und religiöse Banden beruhenden Banden zwischen der Türkei und Mauretanien werden auf der Grundlage, politische Beziehungen, Freundschaft und Zusammenarbeit ausgebaut. Obwohl zwischen beiden Ländern keine politischen Probleme vorhanden sind, wurden bis 2008 keine ernsten Entwicklungen beobachtet. Mit der türkischen Öffnungspolitik in Afrika wurden bei den Kontakten zwischen beiden Ländern auf bilateralen und multilateralen Plattformen und hochrangiger Ebene Anstieg verzeichnet. Mit dem Türkei-Besuch des mauretanischen Staatspräsidenten, Abdel Azez und der Eröffnung von gegenseitigen Botschaften wurde den bilateralen Beziehungen den Kontakten ein Impuls verliehen. Seit 2013 werden zwischen beiden Ländern ordentliche politische Gespräche geführt.

Die Türkei verfügt seit der Unabhängigkeit von Senegal in 1960 in der Hauptstadt Dakar eine Botschaft. Senegal konnte trotz finanzieller Probleme im August 2006  in Ankara eine Botschaft eröffnen. In den letzten Jahren ist in den Beziehungen zwischen der Türkei und Senegal eine Belebung zu beobachten. Senegal betrachtet die Türkei als einen wirtschaftlich aufsteigenden Stern in der Region und effektives Mitglied der Organisation für Islamische Zusammenarbeit OIC und will die Beziehungen mit Ankara ausbauen.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Mali befinden sich auf einem fortgeschrittenen Stand. Die Beziehungen wurden in jüngster Zeit vom Staatspräsidenten, Parlamentspräsidenten und dem Ministerpräsidenten von Mali in der Türkei untermauert. Die türkische Botschaft in Bamako wurde am 1. Februar 2010 eröffnet. Der politische Berater des Staatspräsidenten von Mali, Birahim Soumare wurde am 6. Mai 2014 als Botschafter nach Ankara entsandt. Zwischen beiden Ländern sind zahlreiche Verträge vorhanden, neue Abkommen werden hinzukommen.

Staatspräsident Erdoğan und die Delegation in seiner Begleitung wurden in Afrika mit großem Interesse empfangen. Dabei spielen die von der türkischen Agentur für Zusammenarbeit und Koordination, TIKA umgesetzten Projekte für Trinkwasser und Gesundheit eine wichtige Rolle. Der Türkische Rote Halbmond entsendet humanitäre Hilfsgüter wie Lebensmittel und Zelte. Mit den Investitionen türkischer Geschäftsmänner wird den Einheimischen Arbeitsmöglichkeiten geschaffen. Dabei setzt die Türkei auf die Win-Win Politik.

In einer Geographie wie Afrika sind langfristige Pläne erforderlich. Die von der Türkei heute gesetzten Schritte werden ihre Früchte möglicherweise in zehn Jahren tragen. Aus diesem Grund sollten die Beziehungen ununterbrochen fortgesetzt werden. Daher kann es sich die Türkei nicht leisten, Afrika zu vernachlässigen, wo die großen Akteure aktiv sind.

Staatspräsident Erdoğan wird sich bei seiner nächsten Afrika-Tour möglicherweise auf den südlichen Teil des Kontinents konzentrieren. Erdoğan will mit der Afrika-Öffnung der Türkei eine wichtige Rolle bei der Gewährleistung einer gerechten Ordnung einnehmen. Daher werden langfristige Schritte gesetzt. Dieses Ziel hängt auch etwas mit den strategischen Pflichten der Türkei zusammen.  

Bei diesem Besuch stellte ein algerischer Journalist in französischer Sprache die Frage, ob Türken Algerien als eine Kolonie betrachtet haben. Als Antwort sagte Staatspräsident Erdoğan, „Wenn Türken Kolonisten wären, dann hättest Du diese Frage in Türkisch gestellt und nicht in Französisch.



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