Startschuss für Akkuyu-Atommeiler gefallen - Die Welt im Vergleich

Die Türkei wird mit dem Atomkraftwerk in Akkuyu ein seit den 1970er Jahren angestrebtes Ziel verwirklichen.

Startschuss für Akkuyu-Atommeiler gefallen - Die Welt im Vergleich

Staatspräsident Erdoğan und der russische Präsident Putin haben den Startschuss für den ersten Atommeiler der Türkei gegeben. Der Meiler in Akkuyu bei Mersin soll zehn Prozent des Strombedarfs der Türkei decken und in 2023, am 100-jährigen Jubiläum der Republikgründung, hochfahren. Zunächst soll erst eine Einheit Strom erzeugen und die weiteren drei sollen mit Abstand von einem Jahr jeweils in Betrieb gehen. Ziel des türkisch-russischen Gemeinschaftsprojekts ist es, dass das AKW mit vier 1.200-Megawatt-Blöcken mit voller Kapazität in 2026 Strom produzieren soll. Die Kosten für das Mega-Projekt sollen sich auf 20 Milliarden Dollar belaufen.

Während in der Türkei seit den 1970er Jahren immer wieder die Überlegung für den Bau eines Atomkraftwerks auf den Tisch kam, wurden erste konkrete Schritte dazu erst in 2008 mit einem Gesetz für den Bau und den Betrieb eines Atommeilers gesetzt. Die Verhandlungen mit Russland für das AKW in Akkuyu wurden in 2010 aufgenommen. In der Gegenwart wird der Strombedarf der Türkei zu 38 Prozent von Erdgas, rund 27 Prozent von Kohlenkraftwerken und zu 18 Prozent von hydroelektrischen Kraftwerken gedeckt. Der aus erneuerbarer Energiequellen gewonnene Anteil beträgt etwa sechs Prozent.

 

Atommeiler auf der Welt

Das erste Atomkraftwerk der Welt wurde in 1954 im russischen Obninsk erfolgreich in Betrieb genommen.  In der Gegenwart sind laut der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) 449 Kernkraftwerke in 30 Ländern in Betrieb. Der Bau von 56 neuen Reaktoren wird indessen in 15 Ländern fortgesetzt. Dabei sind die USA mit 99 Atommeilern Spitzenreiter der Welt gefolgt von Frankreich mit 58 Kraftwerken. Bei einem Blick auf Asien und Fernost ist zu beobachten, dass neben Russland und China auch Länder wie Japan und Südkorea weiterhin auf Nuklearenergie setzen. In Russland sind 35 und in China ebenfalls 35 Atommeiler in Betrieb, jedoch plant die Volksrepublik den Bau von weiteren 21 atomaren Kraftwerken.  

Deutschland setzt seit dem Super-GAU in Fukushima im März 2011 auf einen Atomausstieg. Bereits neun der 17 Meiler wurden stillgelegt und bis 2022 sollen gemäß Atomgesetz die restlichen Reaktoren abgeschaltet werden. Die Atompolitik Italiens ist mit Berlin zu vergleichen. Obwohl Italien zu eines der ersten Ländern mit Atomkraftwerken gehört, führte die Atomkatastrophe in Tschernobyl in den 1980er Jahren und in Fukushima dazu, dass alle vier Reaktoren vom Netz genommen wurden.  Auch die Schweiz und Belgien setzten auf einen Atomausstieg bei ihrer Energiegewinnung.

Derweil treten Länder wie Indien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Pakistan als neue Anhänger des AKW-Clubs hervor. Indien ist im Besitz von derzeit 22 Reaktoren, plant aber den Bau von fünf weiteren Meilern. Pakistan hat vier Kraftwerke und will drei weitere in Betrieb nehmen. Die Vereinigten Arabischen Emirate arbeiten an den Bau von vier Meilern.

Der Energiebedarf der Welt wird zu rund elf Prozent mit Atomenergie gedeckt, darunter zwölf Länder, die ihren Bedarf zu mehr als 30 Prozent den Meilern verdanken.



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